Kosa La Vita

(kisuahili = Kriegsverbrechen)

In der Forschungsresidenz „flausen – young artists in residence“ am Theater Wrede in Oldenburg entwickelten Quartett PLUS 1 und Flinntheater im Juli 2013 gemeinsam eine Form von musikalischem Dokumentartheater. Im August 2015 wurde die Residenz unter dem Aspekt „Revision“ am Theaterlabor Bielefeld fortgesetzt.

Inhalt ist der laufende Kriegsverbrecherprozess gegen Dr. Ignace Murwanashyaka und Straton Musoni. Als Präsident und Vize-Präsident der Hutu-Miliz FDLR sollen sie von Süddeutschland aus per Handy und Internet u.a. Massaker an der Zivilbevölkerung im Ost-Kongo gesteuert haben. Ausgehend von diesem Fall haben die beiden Gruppen mittels Musik und Sprache die Möglichkeiten der globalen Kommunikation und die Schwierigkeiten ihrer juristischen Übersetzbarkeit sowie ihrer künstlerischen Darstellbarkeit erforscht.

Der Prozess vor dem Oberlandesgericht Stuttgart markiert eine neue Ära globaler Verwicklungen: Ein Krieg im Kongo wird mutmasslich per SMS aus Deutschland befehligt. Deutsche Ermittler müssen im Kongo Beweise für Kriegsverbrechen sammeln. Zeugen im Kongo werden per Live-Videostream durch das Stuttgarter Gericht befragt. Zum ersten Mal kommt das Völkerstrafgesetzbuch in Deutschland zur Anwendung. Unser Ansatz setzt auf gleichwertige Performer (drei Musikerinnen und zwei Schauspieler), die verschiedene Sprachen nutzen, übersetzen, kommentieren, aufeinandertreffen lassen. Das Streichquartett eignete sich unterschiedliches musikalisches Material an,
setzte dabei einen besonderen Fokus auf Musik und Sprache und arbeitete hierfür eng mit dem Komponisten Matthias Schubert zusammen. Parallel fand die Sichtung und Aufarbeitung des Prozessmaterials statt. Anschliessend wurde im interdisziplinären Dialog an ästhetischen Umsetzungen geforscht.

Das Making of „Kosa La Vita (kisuahili = Kriegsverbrechen)“ wurde 2013 im Theater Wrede+ Oldenburg, im Rahmen des Best Off-Festivals der Stiftung Niedersachsen Hannover und in den Sophiensaelen in Berlin gezeigt. 2015 wurden die Arbeitsergebnisse der Residenz „Kosa la vita – Revision“ im Theaterlabor Bielfeld gezeigt. Beide Residenzen wurden ermöglicht durch „flausen-young artists in residence“, ein Stipendienmodellprojekt vom Theater Wrede+. Mit freundlicher Unterstützung von Land Niedersachsen, Stiftung Niedersachsen, EWE-Stiftung, Stadt Oldenburg und Musik 21 Niedersachsen.

Von und mit: Konradin Kunze, Katharina Pfänder, Lisa Stepf, Sophia Stepf, Kathrina Hülsmann, Simon Zigah
Komposition: Matthias Schubert
Mentoren: Dirk Cieslak und Hannes Seidl