Kosa La Vita

Kriegsverbrechen

Haben zwei Ruander von Deutschland aus per SMS und E-mail einen grausamen Krieg im Ostkongo befehligt? Sind sie verantwortlich für Massaker und Vergewaltigungen, die dort von einer Miliz begangen wurden? Versteckte sich hinter der Fassade des gläubigen Familienvaters ein „Warlord“ in Baden-Württemberg? Vier Jahre lang wurden diese Fragen in einem zermürbenden Prozess vor Gericht in Stuttgart verhandelt. Dolmetscher stritten mit den Angeklagten über Übersetzungsdetails, desertierte Kämpfer wurden eingeflogen, anonyme Opferzeugen wurden per Livevideo befragt – ein Präzedenzfall, der selbst die Richter*innen an ihrer Aufgabe zweifeln ließ. Ist es legitim, dass sie über Kriegsverbrechen im Ostkongo urteilen? Lässt sich die Wahrheit über einen 6000 Kilometer entfernten Konflikt von einem deutschen Gerichtssaal aus ergründen? Ist den Opfern damit geholfen? „Kosa La Vita – Kriegsverbrechen“ untersucht die Grenzen der globalen Rechtsprechung mit den Mitteln des dokumentarischen Musiktheaters. Mit Streichinstrumenten und Gerichtsdokumenten erzeugen fünf Performer*innen ein fragmentarisches Echo der Beweisaufnahme: Den Lärm der Zerstörung, stotternde Funksprüche, Paragrafengesänge und die Stille der Opfer.

Konzept & Künstlerische Leitung Flinn Works & Quartett PLUS 1 // Performance Konradin Kunze, Simon Zigah, Katharina Pfänder (Violine), Lisa Stepf (Violoncello), Kathrina Hülsmann (Viola) // Regie Sophia Stepf // Komposition Matthias Schubert
Kostüm Tatjana Kautsch // Assistenz Annekatrin Utke // Produktionsleitung Helena Tsiflidis // Grafik Alex Barta

 

Sophiensaele Berlin: 24.9.2018 um 19.30 Uhr (Premiere) / 25.9.2018 um 19.30 Uhr
Theater Bremen: 20.10.2018 um 20.00 Uhr / 21.10.2018 um 18.30 Uhr
Staatstheater Kassel: 23.10. und 24.10.2018 um 20.15 Uhr
Theaterhaus Hildesheim: 29.10.2018 um 11 Uhr und 19.30 Uhr
Eisfabrik Hannover: 27.06. und 28.06.2019 um 20 Uhr

 

Eine Produktion von Flinn Works und Quartett PLUS 1 / Das ist erst der Anfang e.V. in Koproduktion mit Sophiensaele Berlin und Theater Bremen.

Gefördert durch die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa, die Stiftung Niedersachsen, das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur, die Niedersächsische Sparkassenstiftung, das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst, das Kulturamt der Stadt Kassel und die Gerhard-Fieseler-Stiftung. Das Projekt wurde ermöglicht durch flausen-young artists in residence ein Stipendien-Modellprojekt vom theater wrede +.

  1. Pressestimmen

Das komplexe Thema wurde von den Künstlern in einem mehrjährigen Arbeitsprozess in die Form eines performativ angereicherten Konzerts überführt. Komponist Matthias Schubert fand beeindruckende Lösungen für ein zunächst unmöglich scheinendes Vorhaben. Herausragend die Idee der Übertragung eines Funkspruchs: Saiten und Bögen der Streichinstrumente werden zu Signalgebern – es wird gemorst. Dazu Stimmen, gehaucht, geflüstert, angeraut, die Buchstaben für Buchstaben, eine Ewigkeit dauern, den Befehl überbringen, für eine “humanitäre Katastrophe” zu sorgen. taz, 28.09.2018

Platz 4 der Zitty Theaterhighlights 2018: Zeitgenössisches Musiktheater bearbeitet auf hohem ästhetischen Niveau den Themenkomplex von Kriegsverbrechen in Afrika, deutscher Asylpolitik und kolonialistischer Kontinuitäten. Eine über Jahre gereifte Inszenierung. Zitty,12/2018

Auch indem „Kosa La Vita“ in einem Exkurs dem deutschen Terror in Ruanda eine Stimme, nämlich die von Hermann von Wissmann gibt, verweigert es sich leichtfertiger Positionierungen. Stattdessen arbeiten die Künstler*innen zur herausfordernden Musik des Komponisten Matthias Schubert akribisch die Schwierigkeiten des Verfahrens heraus. Erinnert fühlen mag man sich da an „Der Internationale Strafgerichtshof“, das Gintersdorfer/ Klaßen vor rund sechs Jahren am Theater Bremen vorstellten. Allerdings ist „Kosa La Vita“ formal stringenter und in seiner Unerbittlichkeit eindrücklicher geraten. Bedauerlich, dass dieses wichtige Stück nur zweimal am Wochenende in Bremen zu sehen war. kreiszeitung, 21.10.2018

So gelingt, was man kaum für machbar hält: die Vertonung von Massakern. Musikerinnen und Performer (…) lassen Klang auf Wort prallen. Die Worte verbinden sich mit den zerstörten Geigen im Zentrum der Bühne. Und von Ihnen wandert der Blick zurück zu den intakten Instrumenten der Musiker. Es entsteht ein gewaltiger Assoziationsraum. Theater der Zeit, 11/18